Das Affentheater

The Monkey Theater




Matthias Mollner´s „Affentheater“ ist ein multimediales Werk in mehreren Akten. Es schafft neue Realitäten durch die Überwindung der vom Menschen errichteten, künstlich-ideologischen Grenzen zwischen Natur und Kultur. Seine Protagonisten sind geborene Kletterer, die mit Leichtigkeit über steinharte Mauern und tiefen Gräben springen. Im „Affentheater“ entstehen Verbindungen zwischen den Spezies, die eine „Kultur der Synergie“ zwischen Affe und Mensch ermöglichen. Zwei Lebewesen begegnen sich auf einer Ebene, sie beobachten, wirken aufeinander und/oder interagieren.
In seiner natürlichen Eigenart ist dieses Theater eine Abenteuerexpedition in unbekanntes Terrain. Es führt thematisch zu verschiedenen inneren und äußeren Schauplätzen, ist zeitlich unbegrenzt und als Medium immer präsent. Dabei entzieht es sich jeglicher einengender Kategorisierung. Sein interdisziplinärer Charakter macht es wild und unzähmbar, es verabscheut allzu glatte Oberflächen, aber liebt den tiefen Dschungel. „Das Affentheater“ ist das Theater einer natürlichen und lebendigen Utopie und befreit die Lebewesen aus ihren Gehegen. Es zeigt sich in Performances in öffentlichen und privaten Räumen, durch bildnerische Werke in Ausstellungen, auf Bühnen, im Internet, in Filmen, … Es ist ein lebender Organismus, der wächst und sich stetig vorwärts bewegt.





Kultivierte Menschen, wilde Affen, was für ein Unfug!










In Indien herrscht Bürgerkrieg und ich stehe als Beobachter mitten drin. Es ist ein Krieg in einer Affengruppe, der sich fast unbemerkt zwischen Pilgern und Touristen an einem Tempel am Fluss abspielt. Die Tiere schlachten sich in ihren Machtkämpfen gegenseitig, kein Mitglied, ob weiblich oder männlich, wird bei den Auseinandersetzungen verschont. Das aggressive Verhalten der Männer teilt die Gruppe in verschiedene Lager. Auf Felsblöcken versammelt, trainieren die Affenmänner bei langen Übungskämpfen ihre testosterongeladenen Körper. Es sind professionelle Krieger mit erstaunlichen kämpferischen Fähigkeiten.

Die Gruppe ist klein, ca. 30 Individuen. Bei vielen dieser Affen sind Häute und Felle aufgeschlitzt, ich blicke ins Innere der Körper auf tiefe Fleischwunden, sehe entstellte Gesichter und abgebissene Schwänze. Die Krieger tragen die Waffen in ihren Mäulern. Ihre kleinen Hände halten den Gegner fest, während der zahnbewehrte Kiefer zuschnappt und die scharfen Dolche sich tief ins Fleisch der Opfer graben. Der Terror fordert immer neue Verletzte, die von den Familienmitgliedern und Freunden versorgt werden müssen. Das Gesundheitssystem der Affen funktioniert, die Wunden der Kriegsopfer werden mit Händen und Zunge gesäubert, um der Gefahr schwerer Infektionen vorzubeugen. Nur so können die Affen bis zum nächsten Angriff überleben, nur so kann diese kleine Gruppe weiterbestehen. Dass sie Frieden schließen sollten, daran denken sie im Moment nicht. Es gibt kein Alphatier, keinen Herrscher, keinen Diktator. Und schon gar kein demokratisches System. Aber es gibt viele junge Affenmänner und einen nicht funktionierenden Anarchismus. Die Langeweile nimmt Überhand und die Aggressionen ebenso. Dann kracht es wieder und Blut fließt.